Matthias Alexander Wolf
-

Jahrmarkt der Eitelkeit
„Jahrmarkt der Eitelkeit“ ist zu einem geflügelten Wort geworden. Vielleicht sagt Ihnen auch der englische Ursprung „Vanity Fair“ etwas. Es gibt eine Zeitschrift mit diesem Titel, die sich in Deutschland allerdings nur zwei Jahre gehalten hat. Ob wir das als Zeichen einer weniger ausgeprägten Eitelkeit der Deutschen nehmen können, wollen wir hier einmal dahingestellt sein…
-

Lothar Beutin, EHEC-Alarm
Es ist ja ganz nett, zwischendurch zur Unterhaltung auch einmal einen Kriminalroman zu lesen. Aber geht es Ihnen auch so, der rote Faden, der sich durch das Buch zieht, kommt einem allzu bekannt vor? Und die Katzen, mit denen die schwedische Kommissarin am Abend vor dem Kamin kuschelt und dabei darüber nachsinnt, wer der Mörder…
-

Der lange Abschied des Sie (Teil I)
Teil I Als meine kleine Schwester, es war um das Jahr 1960, unsere Zugehfrau mit, „Du, Frau Kuhn“, ansprach, lachte ich sie aus, weil sie nicht wußte, daß man Erwachsene zu siezen hatte, – und schämte mich dann dafür. Frau Kuhn sagte nichts. Heute würde sie wahrscheinlich antworten, „Ich bin die Katharina.“ Damals war das…
-

Das Zeitalter des Automobils ist vorbei
Eine Beobachtung: Wie das emotionale Zeitalter des Automobils zu Ende geht Ein Auto bedeutet Freiheit Ist das Zeitalter des Automobils vorbei? Man sollte unterscheiden: Das menschliche Grundbedürfnis nach Mobilität bleibt bestehen. Das ist keine Frage. Der Mensch ist seit Urzeiten „umhergezogen“, sei es aus Notwendigkeit oder Neugier. Doch die Art und Weise, wie wir uns…
-

Vom „Bitte“ zum „Gerne“ (Teil I)
Stellen Sie sich vor: Sie sitzen im Café. Die Bedienung, deren Laune offensichtlich im Keller ist, knallt das kleine Edelstahltablett regelrecht auf den Tisch. Schwungvoll, schräg – schwapp. Ein Schwall Kaffee landet auf der Untertasse. Sie bleiben höflich: „Vielen Dank.“ Die Antwort kommt prompt, mechanisch und gelogen: „Sehr gerne.“ Es begann bei jungen Aushilfskräften, inzwischen…
-

Sie dürfen sich wieder anziehen!
Wer kennt diesen Satz nicht? Es gibt kaum eine Arztpraxis, in der er nicht gang und gäbe ist. Man erinnert sich unwillkürlich an seine früheste Kindheit. Der Onkel Doktor sendet der Mutter einen einvernehmlich-beruhigenden Blick zu, der signalisieren soll, dass alles in Ordnung sei, und sagt, ohne den kleinen Patienten dabei anzusehen, die erlösenden Worte:…
-

Ein Trüffelsucher in Katalonien
In der alten Bischofsstadt Vic, wo die Wurzeln Kataloniens liegen, auf der großen Plaça Major inmitten der historischen Altstadt findet samstags morgens seit eh und je der Wochenmarkt statt. Vic liegt im Zentrum einer Hochebene. Es war Winter und La Tramuntana, der Nordwind, der von den Pyrenäen herunterbläst, hatte kalte Bergluft gebracht. La Tramuntana stirbt…
-

Hinter den Bergen in Rio de Onor
Trás-os-Montes, „Hinter den Bergen“ heißt eine historische Region in Portugal, weil sie eben, von der Küste und den dort gelegenen großen Städten aus gesehen, hinter den Bergen liegt. „Rückständig“ werden wohl Technokraten sagen, „wirtschaftlich abgehängt“ vielleicht. Als „authentisch“ und „charmant“ preisen Touristikwerber die Region an. So kann sich jeder darunter vorstellen, was ihm behagt. Das…
-

Gregor Klabusnik und der geheime Inhalt der Böhmischen Knödel
Aus der Welt des Hermann-Joseph Schnabeltasse Leseprobe aus: Kapitel 1 Es war nicht seine Absicht gewesen. Der winterliche, eiskalte Regenguß hatte Schneider ohne Schirm überrascht und kaum fünfzig Meter weiter lag auf der anderen Straßenseite das Antiquariat Dr. Bömmerlein Nachf., wo Schneider guter Kunde war. Er beschloß, dort Schutz zu suchen und sich dabei ein…
