Siebenbürgen – Blick auf ein verlassenes Land

Fragend stehen wir in dem Dorf Kleinschenk (Cincşor) an einer hohen Mauer, welche die Sicht auf das hinter ihr liegende Kirchenschiff behindert. Ein Mann, er hat, wie wir auch, die Mitte des Lebens schon deutlich überschritten, tritt auf uns zu und spricht uns an. Erst auf Rumänisch, dann auf Englisch, schließlich: „Wollen Sie die Kirchenburg besichtigen?“

So schlicht und unspektakulär beginnt unsere Romanze mit Siebenbürgen. Weil wir den Teil Europas, der östlich von uns liegt, noch viel zu wenig kennen, sind wir diesmal nach Rumänien gefahren. Ohne bestimmtes Ziel, ohne besondere Erwartungen.

Wir nehmen das Angebot dankbar an und unser Führer beginnt zu erzählen, lebendig und anschaulich, vom einst menschenleeren Hügelland am Ostrand des ungarischen Königreichs. Vor achthundert Jahren wurde es durch Kolonisten aus den westlichen Fürstentümern des Heiligen Römischen Reiches besiedelt. Für die ungarischen Verwaltungsbeamten waren sie alle einfach Sachsen. Diese machten das Land, das sie Siebenbürgen nannten, urbar und genossen dafür auch Privilegien. So konnten sie ihre Sprache und Kultur bewahren und entwickeln, unter sich bleiben und sich weitgehend selbst verwalten.

Sie blieben nicht unbehelligt

Blühendes Land weckt Begehrlichkeiten. Dem Sultan und Padischah in Konstantinopel fiel es bei der Ausdehnung des Osmanischen Reiches nach Westen nicht ein, sein mächtiges Heer durch das von den Karpaten umringte Siebenbürgen ziehen zu lassen. Dies wäre viel zu aufwendig und mühsam für den riesigen Tross gewesen. Der großmächtige Sultan konnte ein Heer von bis zu 200.000 Mann aufbieten. Abseits einer großen Wasserstraße wie der Donau war die Versorgung einer solchen Streitmacht kaum sicherzustellen. Daher streiften kleine, bewegliche Einheiten durch Siebenbürgen, Détachements von 100 bis 200 Reitern, Osmanen oder Tataren. Der große Schlag durch das osmanische Heer blieb aus, doch diese Soldateska streifte zügellos marodierend durchs Land. Als Renner und Brenner versorgten sie sich selbst und der Schrecken, den sie verbreiteten, stand dem durch die Eroberung eines ganzen Heerhaufens nicht nach.

Fast läuft uns ein Schauer über den Rücken, als unser Führer auf die nahegelegenen Hügel weist: „Stellen Sie sich vor, die Dorfbewohner sehen dort Staub aufwirbeln. Man weiß, in einer Viertelstunde sind sie da. Die Glocken läuten Sturm, alles rennt zur Kirchenburg in der Dorfmitte. Wer sie nicht rechtzeitig erreicht, auch nicht fliehen kann, sondern im Dorf angetroffen wird, überlebt nicht. Frauen und Mädchen werden geschändet und jeder, der in die Hände der Marodeure gerät, wird gemetzelt.“

 

Wir fassen es kaum: Im Sonnenlicht eines friedlichen Frühsommertages stehen wir in einer vollständig erhaltenen Burganlage und malen uns aus, wie hier unter Schutzdächern im Innenhof dicht gedrängt ein ganzes Dorf ausharrte. Zwar gab es einen Brunnen und sämtliche Speckseiten des Dorfes hingen zum Räuchern im Speckturm. Die Männer auf den Wehrgängen verteidigten die Burg gegen die Angriffe der Soldateska. Deren Versuche, das Tor mit Balken einzurennen, wurden mit heißem Pech auf ihre Häupter beantwortet. Aber man wird, um ein Ende dieses Albtraums flehend, inbrünstig zu Gott gebetet haben, er möge diese Prüfung von dem Dorf nehmen. Vielleicht half dies, in der Bedrängnis auszuhalten.

 Trotzdem fragt man sich, wie die Leute eine solche Lage erdulden konnten. Denn zu den ungefähr fünfhundert Dorfbewohnern hatte man sicher auch, trotz Hetze und Gedränge, manches wertvolle Stück Vieh noch schnell in den Schutzkreis der Mauer getrieben. Engster Raum, Lärm, Exkremente, Streit und Todesangst – panische Reaktionen der Eingeschlossenen: Wie sich das Dahinvegetieren unter diesen Umständen abspielte, dafür reicht unsere Vorstellungskraft kaum aus.

Ein derartiger Überfall der Plünderer, Vergewaltiger und Mörder dauerte mehr oder weniger eine Woche. Dann hatte die Horde alles an Vorräten und was ihr sonst von Wert schien, an sich genommen. Häuser, Stallungen und Scheunen waren niedergebrannt. Der marodierende Haufe gab die Versuche, die Kirchenburg einzunehmen, auf und zog weiter. Anstelle eines Dorfes hinterließ er eine verkohlte Wüstung, Leichen und Tierkadaver.

Die Frauen mussten aufrecht sitzen

Unser Führer macht eine kleine Pause. Er hat bemerkt, wir sind durch seine Erklärungen etwas bewegt. „Kommen Sie“, sagt er. „Wir wollen uns noch die Kirche von innen ansehen.“

Die Siebenbürger Sachsen sind evangelisch-lutherisch. Rumänen und Roma dagegen sind, soweit sie ein Bekenntnis haben, ganz überwiegend orthodoxen Glaubens. Die evangelische Gemeinde in Kleinschenk besteht daher nur aus den sieben noch im Ort verbliebenen Sachsen. Alle drei Wochen findet ein Gottesdienst statt, zu dem die sieben Gemeindemitglieder, fünf von Ihnen sind hochbetagt, fast immer vollzählig erscheinen. Der Pfarrer hat elf Gemeinden zu betreuen.

Die früher für die Frauen vorgesehenen Kirchenbänke haben keine Lehnen. Auf unsere fragenden Blicke sagt unser Führer lächelnd: „Das hat seinen guten Grund, den Sie nicht erraten werden. Er hat nichts mit einer Benachteiligung von Frauen zu tun. Das ist wegen der Kleidung, die sonntags von den Frauen getragen wurde. Durch ein Anlehnen an die Rücklehne wäre die kunstvolle Tracht zerknittert worden.“

Wir bedanken uns sehr herzlich bei unserem Führer, der sich jetzt als unser Gastgeber vorstellt. Seine Frau, eine Siebenbürger Sächsin, und er betreiben die Pension im Schulhaus gegenüber, wo wir untergebracht sind. Er hat unter anderem Geschichte studiert und war jahrzehntelang als Gymnasiallehrer tätig. Einen solchen Geschichtslehrer hätten wir auch gerne gehabt. Mit diesem Wissen hat sich auch die vorher im Hinterkopf schwirrende Frage erledigt, ob man so jemandem Trinkgeld geben dürfte. Früher wäre dies freilich eine Beleidigung gewesen, aber auch insofern haben sich ja wohl die Sitten geändert. Wir können unseren Obolus für anstehende Renovierungsmaßnahmen in der Kirche entrichten.

Nach dem Exodus blieben die Kirchenburgen zurück

Von Kleinschenk aus unternehmen wir in den folgenden Tagen einige Ausflüge. Das Thema der Kirchenburgen hat uns gefangengenommen. Im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit besaß jedes siebenbürgische Dorf eine solche Kirchenburg. Heute gibt es immerhin noch 160 davon, manche sind nicht vollständig erhalten, da zum Beispiel die Steine ihrer Mauern als Baumaterial verwendet wurden, als die Burg ihren Zweck verloren hatte. Dafür gehören sieben Dörfer mit Kirchenburgen zum UNESCO Weltkulturerbe. Niemand weiß, wie der Name Siebenbürgen zustande kam. Es gibt nur mehr oder weniger plausible Vermutungen. Dank UNESCO kann man sich heute selbst eine Bedeutung zusammenreimen.

Die Siebenbürger Sachsen haben spätestens nach 1990 das Land verlassen, die meisten sind nach Deutschland gezogen. Vor dem zweiten Weltkrieg fast eine Viertelmillion, spricht man für die Zeit danach von ungefähr 160.000 Siebenbürger Sachsen. Bereits in den siebziger Jahren verkaufte der Staatschef Ceaușescu für fünfstellige DM-Beträge Ausreisebewilligungen, insbesondere, wenn es sich um politisch unliebsame Personen handelte, an die Bundesrepublik Deutschland. Im Jahr des großen Wandels 1990 lebten dann noch ca. 95.000 Sachsen in Siebenbürgen. Danach nahm ihre Zahl sehr schnell stark ab. Derzeit sind es nach verschiedenen Schätzungen etwa 8.000 bis 10.000. Von den knapp siebenhundert Einwohnern Kleinschenks sind heute etwa die Hälfte ethnische Rumänen, die andere Hälfte Roma.

Ausflüge in eine realistische Vergangenheit

Nähert man sich den Dörfern in diesem Hügelland, wirken sie so, wie bei uns in Deutschland Ortschaften auf dem Land bis vor hundert Jahren ausgesehen haben mögen. Äcker, Wiesen und Gärten reichen bis an den Dorfrand, es gibt keine einförmigen Neubaugebiete, keine überdimensionierten Gewerbeflächen. Die Straßen sind zwar größtenteils asphaltiert, aber die mit Gras bewachsenen Anger mitten im Dorf sind noch vorhanden. Die Dorfstraßen sind ohne Gehwege, dafür zieht sich aber vor den Häusern auf beiden Seiten ein breiter Grasstreifen die Straße entlang, was einen Eindruck von Großzügigkeit erweckt.

Dabei sind es nicht Bilder eines Idylls, die wir wahrnehmen. Das Heruntergekommene, Verwahrloste an den Dörfern ist zu prägend, um die Vernachlässigung noch charmant wirken zu lassen. Der Zauber liegt eher darin, sich in eine vergangene Welt zurückversetzt zu fühlen, die aber tatsächlich besteht. Wir betreten kein für Besucher hergerichtetes Museumsdorf, keine romantisch zurechtsanierten Gassen. Am Rande bemerkt: Der Eindruck von Museumsdörfern in Deutschland würde echter und ursprünglicher, wenn von jedem Bauernhaus ein Misthaufen läge. Allein das Geruchserlebnis würde mancher Idealisierung entgegenwirken.

Wir sehen mehrfach Roma, die mit der Sense das Gras vor den Häusern oder an den Rainen der Landstraßen schneiden. Das Heu transportieren manche mit dem Pferdewagen, andere einfach mit dem Schubkarren. Unvergesslich bleibt uns die Szene einer alten Romafrau, auf die wir durch ihr lautes Schreien und Gekreische aufmerksam werden. Im Vorbeifahren haben wir gerade noch gesehen, wie sie mühsam ihren Schubkarren mit Heu vom Straßenrand vollgeladen hat. Ein plötzlicher Windstoß bläst den Schubkarren leer und verteilt das Heu auf der Straße. Unter großem Geschrei versucht sie, es wieder zusammenzuklauben. Wir sind gerade aus dem Auto gestiegen und helfen ihr, den Rest, den der Wind nicht schon weit weggeweht hat, einzusammeln.

Manche Anwesen in den Dörfern sind sehr schön saniert. Die Eigentümer sind dann meistens Rumänen aus Bukarest oder anderen Städten, „Heimwehsachsen“ aus Deutschland oder Ausländer. Andere Häuser scheinen gerade noch so bewohnbar, sehr viele aber befinden sich in schlechtem, oft sogar ruinösem Zustand. Trotzdem können wir feststellen, auch letztere sind häufig bewohnt. Nach unserem Eindruck scheinen viele kleine, von den Sachsen verlassene Dörfer, von Romafamilien bewohnt zu werden. Vielleicht hat man ihnen die aufgegebenen Häuser zugewiesen, um ihnen eine Bleibe zu schaffen.

Die Uhren gehen naturgemäß anders in dieser Gegend. Wir treffen, so unglaublich es klingen mag, an der Einmündung einer kleinen Landstraße einen mitten auf der Fahrbahn abgestellten Transporter. Im dessen Schatten ruht auf dem Asphalt ein schwarzbrauner Mann in der Mittagspause. Auf einer Decke ausgestreckt, liegt er auf dem Bauch, die Ellenbogen ragen nach rechts und nach links. Seinen Kopf auf den beiden Handrücken nach rechts gedreht, ruht er mit geschlossenen Augen. Augenblicklich fällt mir das von Franz Liszt vertonte Gedicht von Nikolaus Lenau ein, einer der Klassiker am Lagerfeuer zu später, besinnlicher Stunde: Drei Zigeuner fand ich einmal, … Und der dritte behaglich schlief … Über sein Herz ein Traum ging.

In dem kleinen Dorf Rohrbach finden wir die Kirchenburg in schlechtem Zustand. Sie thront in der Ortsmitte, wie eine Fliehburg erhöht auf einem Hügel. Darunter befindet sich ein verfallender Friedhof, den Grabsteinen nach wurde er noch bis 1989 genutzt. Ein mehr oder weniger stehendes Gewässer befindet sich in einem Kanal, der durch das Dorf führt. Es riecht nicht gut. Eine Katze streicht am Ufer entlang. Die Einwohner leben zum Teil in völlig heruntergekommenen Häusern. Der Weg zur evangelischen Kirche ist dicht zugewachsen, offensichtlich gibt es keine evangelischen Sachsen mehr, die die Kirche noch aufsuchen.

In dem Dorf Scharosch (Soars) ist der Charakter der Kirchenburg als Wehrkirche durch den Turm zu erkennen, der sich wie ein massiver Bergfried in die Höhe reckt. Die Mauer dagegen ist verhältnismäßig niedrig. Der Zugang zum Kirchengelände ist verschlossen. Wir kommen mit ein paar Bauarbeitern, die gerade Feierabend machen, ins Gespräch. Sie scheinen sich zu freuen, dass sich jemand für das Ergebnis ihrer Arbeit interessiert. Wir sprechen kein Rumänisch, die Verständigung gelingt trotzdem. Die Kirche wurde vor zwei Jahren neu verputzt und gestrichen. Die Renovierungsarbeiten gehen jetzt am Turm weiter. Einer der Arbeiter, dessen Italienisch deutlich besser als unser Pizzeriaitalienisch ist, schließt uns das Tor für eine Außenbesichtigung auf.

Die traurige Frau aus dem Vorzeigedorf und das Ehegefängnis

Die Gemeinde Birthälm (Birtan) besitzt eine Kirchenburg, die zum UNESCO Welterbe gehört. Darum, oder wohl genauer gesagt wegen deswegen fließender öffentlicher Mittel, macht der ganze Ort einen gepflegteren Eindruck. Bereits die Häuser an der Hauptstraße wirken renoviert und sind ansprechender als anderswo. Es ist der orthodoxe Pfingstsonntag, das Dorf ist voller rumänischer Sonntagsausflügler. Mit Mühe finden wir noch einen Parkplatz und wenden uns zur Kirchenburg.

An der Kasse empfängt uns eine Frau mittleren Alters und gibt uns Informationen auf Englisch. Ihr Akzent ist nicht ganz leicht verständlich und wir erörtern untereinander auf Deutsch das, was sie gerade gesagt habe. Daraufhin spricht sie auf Deutsch weiter. Ich werde aufmerksam, denn bisher hatten wir kaum Gelegenheit, mit Siebenbürger Sachsen zu sprechen: „Sind Sie Sächsin?“ Sie nickt nur. „Wie viele Sachsen leben denn noch im Dorf?“, frage ich. „Achtzig“, antwortet sie und wendet den Blick ab. Sie schweigt. Um das kaum begonnene Gespräch nicht einschlafen zu lassen, sage ich: „Schwierige Situation.“ Sie nickt nur ergeben. Es ist mehr als Wehmut, was aus ihren Augen spricht. Ich empfinde ihren Ausdruck als Trauer und sie erfasst die mich sofort. Ich will das Gespräch fortführen, überlege, wie ich anknüpfen könnte, aber da hat sich schon eine Schlange von Wartenden hinter uns gebildet, die ihre Eintrittskarten lösen wollen. Heiter plaudernd und erwartungsvoll blickten sie dem Ausflugserlebnis entgegen. Hier ist nicht die Gelegenheit, über Schicksale zu sprechen. Ich muss meine Stelle räumen. „Alles Gute“, sage ich hilflos zum Abschied. „Danke, ebenso.“

In der Anlage der Kirchenburg befinden sich Informationstafeln auf Rumänisch und auf Englisch, manchmal auch noch auf Deutsch. In der Kirche selbst wird eine große Ausstellung mit Tafeln über die Kirchenburgen in der Umgebung gezeigt. Diese Texte sind ausschließlich auf Deutsch. Diese Ausstellung wird offensichtlich von der evangelischen Kirche in Siebenbürgen ausgerichtet.

Für Erheiterung auf dem Gelände der Kirchenburg sorgt bei den Besuchern das Ehegefängnis. Darin wurden wohl tatsächlich früher auf Betreiben des Pfarrers Eheleute, die miteinander im Zwist lebten, in zwei Räume eingesperrt. Es gab dort nur ein Bett, einen Teller, einen Löffel, einen Tisch und einen Stuhl usw. Angeblich wurden die beiden erst dann aus dem Gefängnis entlassen, wenn sie sich wieder vertrugen. Mich stimmt das alles eher nachdenklich. Die erniedrigende öffentliche Zurschaustellung eines Ehedramas wird wohl kaum Probleme gelöst haben. Wie dem auch sei, vielleicht führte der Einschluss im einen oder anderen Fall doch dazu, dass die Eheleute sich wenigstens aussprachen.

Auf der anschließenden langen Fahrt kommt mir wieder die Szene mit der Sächsin an der Kasse in den Sinn und geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Das Schicksal der Siebenbürger Sachsen beschäftigt mich. Man redet in der letzten Zeit wieder mehr von Heimat. Achthundert Jahre lang siedelten die Sachsen in Siebenbürgen, doch innerhalb weniger Jahrzehnte, und besonders während ein paar Jahren nach 1990, leerten sich die Dörfer. Wer will es denjenigen verdenken, die die Heimat verließen und ein besseres Leben in Deutschland suchten. Den Alten aber, und den wenigen Jüngeren, die, aus welchen Gründen auch immer, geblieben sind, ist auch die Heimat verlorengegangen.

Denn Heimat ist nicht nur ein Ort, sondern eine Gesamtheit. Landschaft, Gebäude, Menschen, Sprache und Kultur, alles gehört dazu. Wie muss man sich fühlen, wenn die Freunde und Nachbarn weggezogen sind, die Häuser verfallen, der Friedhof, auf dem die Vorfahren liegen, zugewuchert ist und man seine Muttersprache kaum noch verwenden kann? Die Frau an der Kasse lebt dort, wo sie geboren und aufgewachsen ist, trotzdem vermittelte sie mir ein Gefühl des Entwurzelten und Unbehausten.

Einsam wie eine Armesünderglocke klingt das einzelne Geläut der kleinen Glocke vom Kirchturm in Kleinschenk, als wir am Sonntagmorgen Abschied nehmen. Den Generationen seit 1489 ist ihr vertrauter Klang Warner in Notzeiten, Rufer zur Andacht und Verkünder freudiger Anlässe. Die Harmonie aller drei Glocken wird erst wieder in zwei Wochen die sieben aufrechten Gläubigen zum Gottesdienst einladen.

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Abschließend noch ein Tipp zu Unterkunft und Verpflegung.

Wir waren in Kleinschenk/ Cincşor sehr gut untergebracht in Cincșor.Transilvania.Case de oaspeti.

Carmen Schuster, eine Siebenbürger Sächsin, in Kleinschenk aufgewachsen, ist nach Jahren in Deutschland und einer Bankkarriere in ihre Heimat zurückgekehrt. Schulhaus, Pfarrhaus und weitere Gebäude wurden so saniert, dass der siebenbürgische Charakter erhalten blieb. Es gibt nicht nur Frühstück, sondern auch Halbpension und wer mag, bekommt auch mittags eine Mahlzeit serviert. Früher hätte man Table d’Hôte dazu gesagt. Das Haus strahlt einen eher familiären Charakter aus. Man kommt – wenn man dies will – schnell mit anderen Gästen in Kontakt. Bei unserem Besuch fand ein Familientreffen einer siebenbürgischen Familie aus Deutschland statt, von der wir auch manch Wissenswertes erfahren haben.

Was die Qualität der Speisen angeht, so sei nur erwähnt, dass wir uns eines Abends über eine größere französischsprechende Gruppe von Gästen wunderten. Es stellte sich heraus, Offiziere der in der Nähe liegenden französischen Brigade kommen regelmäßig in Kleinschenk zum Speisen.

Carmen Schuster und ihr Mann, unser „Fremdenführer“ Dr. Michael Lisske sind auf kulturellem Gebiet ebenfalls sehr rührig. Näheres sowie Kontaktmöglichkeiten unter https://transilvania-cincsor.ro und kulturproject@gmail.com

 


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